#zusammenlesen #137

Seit genau einem Jahr gibt es im Literaturhaus Köln unsere Reihe #zusammenlesen. Wir sagen DANKE fürs Mitmachen, Mitlesen, Zusammenlesen in diesen herausfordernden Tagen und Wochen. Und wir lesen weiter. Zusammen.

Heute mit einer Buchempfehlung von Benedikt Geulen:

Lennardt Loß. UND ANDERE FORMEN MENSCHLICHEN VERSAGENS. Unionsverlag.

Als »Verlag für zuverlässige Überraschungen« firmierte der Weissbooks Verlag, in dessen Programm 2019 der Debüt-Roman »Und andere Formen menschlichen Versagens« von Lennardt Loß als Erstausgabe erschien. Dieses Buch ist vor allem überraschend dicht, stilsicher und fulminant erzählt. Und nun liegt es als Taschenbuch im Programm des Zürcher Unionsverlags vor.

Schon der Titel beginnt höchst eigenwillig und unvermittelt mit einer Konjunktion. Als wäre davor etwas gewesen, das wir Leser möglicherweise verpasst haben. Zu »menschlichem Versagen« fällt uns auch direkt eine Menge ein, z.B., dass es als gängige Erklärung für technische Katastrophen herhalten muss. Und genau das passiert gleich im ersten Kapitel: Eine voll besetzte Passagiermaschine stürzt über dem Südpazifik ab. An den herausgerissenen Fenstersitz 9A der Business-Class geklammert überleben Marina und Hannes.

Lennardt Loß startet mit diesem Absturz einen so furiosen und höchst überraschenden erzählerischen Reigen, dass man sich nach den gerade mal 160 Seiten des Buches (inkl. Impressum und Danksagung) überrascht die Augen reibt und ausrufen möchte: »So was habe ich ja noch nie gelesen!«

Es treten auf: ein Ex-RAF-Terrorist, die Tochter des Brandenburger »Parkhaus-Papstes«, eine 64-jährige Splatterfilm-Regisseurin, ein glückloser Preisboxer, ein männliches Hand-Model, der vierte Offizier eines Kreuzfahrtschiffes und noch jede Menge illustre Nebenfiguren. In kurzen Szenen und prägnanten Dialogen nimmt uns Lennardt Loß mit auf eine literarische Achterbahnfahrt der Extraklasse.

Zur Person: Benedikt Geulen ist Mitglied im Literaturhaus Köln.

Beitrag teilen:

Zurück zur Übersicht

Nach oben