#zusammenlesen #144

Ute Wegmann empfiehlt ein Graphic Memoir mit einer Reise in die deutsche Vergangenheit:

Nora Krug. HEIMAT. EIN DEUTSCHES FAMILIENALBUM. Penguin Verlag.

»Wir lernten nichts über die Geschichte unserer Heimatstadt. /.../ Wir taten uns schwer mit der Bedeutung des Wortes Heimat.« (Nora Krug in »Heimat«)

Nora Krugs Auseinandersetzung mit ihrer Herkunft beginnt, als sie bereits eine Weile in New York lebt. Ein Vermissen setzt ein, ihr fehlen Wald und Schwarzbrot und vieles mehr. Sie möchte wissen, was »Heimat« für sie bedeutet, und beginnt mit einer Recherche. Zuerst blättert sie die eigene Familiengeschichte auf, fragt nach der Position der Großeltern während des Faschismus, recherchiert in Archiven, findet Aktennotizen und offizielle Briefe sowie Erzählungen über jüdische und nicht-jüdische Menschen, die mit ihrer Familie verbunden waren. Aus dem privaten Material baut Nora Krug ein Kaleidoskop, ergänzt Fotos und Zeitungsausschnitte durch Bilder, Zeichnungen und Comicpanels und verbindet Faktisches mit Möglichem. Immer ist sie persönlich. Immer sind die Texte handschriftlich gesetzt. Nora Krugs Suche erzählt in Bild und Wort vom Schweigen und vom Verdrängen, das in der Generation der Kriegskinder und der Kriegsenkel (die 1950er- und 1960er-Jahrgänge) nachwirkt. Die persönliche Reise in die Vergangenheit ihrer Familie, ihre Ahnenreise, wird zu einer Reise durch die deutsche Geschichte des letzten Jahrhunderts. Nora Krug hat nicht ihre Heimat wiedergefunden, sondern erstmalig entdeckt, indem sie einen Weg abschritt und auf alle und alles geachtet hat, was sie zu der Person machte, die sie heute ist. Ein berührendes, aufschlussreiches, auch heiteres Buch, das uns alle betrifft.

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