#zusammenlesen #145

Mit Thomas Empl, einer Portion Sehnsucht und diesem Roman geht es ins West-Berlin der frühen achtziger Jahre:

Ulrich Peltzer. DAS BIST DU. S.Fischer.

Wie macht der das, der Ulrich Peltzer? Habe ich mich gefragt, als ich seinen neuen Roman las, in dem ein Filmvorführer in einem Bildwerferraum sitzt und sich an sein Leben erinnert. An ein Berlin der Achtziger, Nächte und ihre Songs, an ein Psychologiestudium, eine Liebe. Bruchstückhaft, verschwommen, springend, wie »Jump Cuts durch die Zeit«. Wo fangen die Szenen an, wann werden sie weitererzählt, wann tauchen Figuren auf und wann sind sie wieder verschwunden?

Ich konnte das nicht analysieren, nur fühlen. Spürte den Schmerz der Erinnerung, das Zweifeln an jeglicher Konstruktion eines Ich. Die Aussichtslosigkeit der Liebesbeziehung zu Leonore, die immer gleichzeitig zu beginnen und zu enden scheint. Habe beim Lesen das Kino vermisst, als Ort, als Sammelpunkt, Startpunkt in die Nacht. Das Brummen der Projektoren, das Abhängen im Foyer, die Bars, Kneipen und Clubs, in die man von dort aufbricht. Habe eine Zeit vermisst, die ich selbst nicht miterlebt habe.

Eine Handlung? Gibt es. Muss jedoch keine Spannung erzeugen oder etwas erklären, kann das Leben ja meistens nicht. Und so ist sie frei, Hand in Hand mit der Form durch die Straßen zu schweben, so wie es der Erzähler und Leonore an einer Stelle tun, mit der Zunge nach Schneeflocken schnappend. »Ulrich Peltzer ist eben doch ein Romantiker«, wird auf der Rückseite des Buches Wiebke Porombka zitiert. Stimmt.

Thomas Empl lebt als freier Autor in Köln. Gerade ist sein erster Erzählungsband, AUSBRUCH, in der Parasitenpresse erschienen.

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