Anna Seghers-Preisträger Enrique Winter
Der Gedichtband Oben das Meer unten der Himmel (parasitenpresse) des chilenischen Dichters Enrique Winter vereint Gedichte, die sich mit der lateinamerikanischen sozialen Wirklichkeit auseinandersetzen, mit der Verarbeitung von Familiengeschichte als Weltgeschichte, mit der Natur und vor allem dem Meer als Lebens- und Arbeitsraum.
Mit Victoria Torres und seinem Verleger Adrian Kasnitz spricht er im Literaturhaus über sein jüngst mit dem Anna Seghers-Preis ausgezeichnetes Werk.
WERKHALLEN
Unter der Oberfläche der Meere
liegt Weißraum.
Die Wellenkämme erfassen Schriftzeichen,
die sie nur bei Flut drucken.
Diese zwei Blätter am Tag schließen sich anderen Welten an
und unsere Milchstraße liest.
Sie verwirft sie, zerknüllt sie und schleudert sie fort.
Die schwarzen Löcher: nichts als vergeudete Tinte.
Aus dem chilenischen Spanisch von Léonce W. Lupette, Sarah Otter und Johanna Schwering
Enrique Winter liest im Literaturhaus Gedichte aus Oben das Meer unten der Himmel, die auf dem Album Agua en polvo vertont wurden. Zum ersten Mal werden in deutscher Sprache Auszüge aus seinem Roman Über uns werden wir schweigen vorgetragen, in dem Enrique Winter von seiner polnischen Großmutter erzählt und die Hoffnungen deutscher Siedler*innen zwischen Kriegen, Diktaturen und Zwangsmigrationen erforscht. Im Sonett-Essay Eine Poetik mit anderen Mitteln fragt Enrique Winter, wie Poesie heute geschrieben werden sollte.
Enrique Winters Bücher auf Spanisch – die Gedichtsammlungen Arte contemporáneo und die Zusammenarbeit mit José Kozer, Variaciones de un día, der Roman Sobre nosotros callaremos und der Essay Una poética por otros medios – sind vor Ort zum Sonderpreis erhältlich.
Die Veranstaltung findet auf Deutsch und Spanisch statt.
Veranstaltungspartner: Romanisches Seminar der Universität zu Köln