Ayelet Gundar-Goshen: Ungebetene Gäste

Ayelet Gundar-Goshens neuer Roman Ungebetene Gäste (Kein & Aber) ist ein Psychodrama über Schuld, Verantwortung und Mitgefühl.

Als in Tel Aviv ein Teenager von einem Hammer erschlagen wird, erkennt Naomi schnell, dass ihr kleiner Sohn den Unfall verursacht hat. Doch der Verdacht fällt auf den arabischen Handwerker, der Naomis Balkon renoviert hat, und sie schweigt. Ein erschütternder innerer Konflikt nimmt seinen Lauf. Angela Spizig moderiert, Milena Karas liest aus der Übersetzung von Ruth Achlama.

Sie richtete einen neuen Keksteller für den schuftenden Mann auf dem Balkon. Warum hast du Angst vor ihm, warum schreckst du immer noch zurück? Sie beäugte ihn verstohlen. Die Muskeln schwollen unter seinem staubigen Hemd. Die Schultern waren zu breit, die Daumen zu fleischig. Sie beschloss, Juval per SMS sofort nach Hause zu zitieren. Schließlich ist sie jetzt Mutter, nicht einfach bloß eine Frau, und eine Mutter trägt Verantwortung für ihr Kind. Auch wenn dieser Arbeiter ihr wie ein guter Mensch vorkommt, muss sie ihr Kind vor allem bewahren, was ihm in dieser verrückten Welt im Allgemeinen und in diesem verrückten Land im Besonderen zustoßen könnte.

Eine Geschichte, die mit einer harmlosen Tasse Kaffee beginnt: eine jüdische Anwältin, ihr Kleinkind und ein arabischer Handwerker in einer Wohnung in Tel Aviv. Naomi fühlt sich unwohl, während auf dem Balkon gearbeitet wird. Ein unbeobachteter Moment, ein herabfallender Hammer – ein Teenager stirbt. Der Verdacht trifft den Handwerker, Naomi schweigt. Was als leiser innerer Konflikt beginnt, entwickelt sich zu einer Kette schicksalhafter Ereignisse, die bis ins ferne Lagos führt. Dorthin flieht die Familie, nachdem die Wahrheit ans Licht kommt und der tote Junge als Sohn eines russischen Gemüsehändlers identifiziert wird, der im Schmerz zur Gefahr für sie wird. Doch auch in Afrika holt sie die Vergangenheit ein: Naomis Sohn Uri braucht Therapie, ihr Mann begegnet einer Jugendliebe, Naomi verstrickt sich in eine undurchsichtige Beziehung. Ayelet Gundar-Goshen verdichtet diese persönlichen Verwicklungen zu einem psychologischen Kammerspiel über Schuld, Verantwortung und die feinen Risse in einer von Alltagsrassismus geprägten Gesellschaft. Mit präzisem Blick zeigt sie, wie ein einziger Moment ausreicht, um Leben zu zerstören – und wie schwer es ist, mit der Wahrheit zu leben.
»Ein flirrendes Psychodrama über Rassismus und Rache, Wahrheit und Lüge« (Tages-Anzeiger).

Veranstaltungspartner: Kein & Aber, Stadtgarten

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