Buch-Performance von Manos Tsangaris, Stefan Kraus & Hyun-Jung Berger
Kann man der Gegenwart anders begegnen als in Zwischenräumen? riss (Alexander Verlag Berlin) ist ein Buch lakonischer Perspektiven auf unvernünftige Zustände. In kurzen Texten – »lichten Schiefgedichten« – und Momentaufnahmen aus dem Alltag werden Lichtblicke im vermeintlich Marginalen gesucht.
Das falsch Gereimte und der nüchterne Blick bestimmen die Form, wenn Vernunft und Logik längst nicht mehr das gesellschaftliche Handeln bestimmen. Für die Buchvorstellung im Literaturhaus wird eine performative Version entwickelt, bei der die Gedichte von Manos Tsangaris, die Lichtbilder von Stefan Kraus und das Spiel der Cellistin Hyun-Jung Berger aufeinander reagieren.
so weit
das auge schlief
reichte
die weite
Die Texte des Dichters und Musikers Manos Tsangaris sind kurz, prägnant und ebenso tief wie es die eigenen Reflexionen erlauben. Seine Sprache spielt mit Lauten, Reimen und Rechtschreibungen. Dabei ist jedes Gedicht so anders, dass es wieder eine neue Lesart herausfordert. Gleichzeitig sind die Gedichte unter verschiedenen Überschriften versammelt und stellen so die Frage nach einer Zusammengehörigkeit, einem gemeinsamen Sinn. Der für unkonventionelle Kunstvermittlung ausgezeichnete Stefan Kraus präsentiert ergänzend Lichtbilder aus Orten wie Köln, Chicago, Offenbach und Neapel. Eingefangen wurden dreckige Häuserwände, Neonlichter, edle Hotelflure. Die auftauchenden Menschen treten als flüchtiger Teil der Szenerie auf.
Nach der behutsamen Erinnerung an den Musiker Jaki Liebezeit (Jaki Notes) ist riss. Lichte Schiefgedichte mit Lichtbildern das zweite Buch des Autorenduos Tsangaris/Kraus, das dem Kurzlebigen ohne Pathos eine Anschauung gibt. Als Spiegel einer haltlosen Zeit beschreibt die Dramaturgie der Zwischenräume von Text und Bild mit offenen Risslinien eine Präzision im Ungefähren.