Ingo Schulze: Das Wasser im August
Für eine Lesung reist der Erzähler im Sommer 2025 nach Mecklenburg – in jene Landschaft, die ihn an eine entscheidende Zeit des Jahres 1979 erinnert. Dort beginnt sich Vergangenheit mit Gegenwart zu verschränken, Erinnerungen werden unsicher, Begegnungen wirken wie Wiederholungen eines alten Lebens.
Raffiniert und mit feiner Ironie erzählt Ingo Schulze in Das Wasser im August (S. Fischer) von Liebe, Erinnerung und den Hoffnungen, die Menschen verlieren – oder neu entdecken. Es moderiert Andrea Gerk.
Währenddessen überfiel mich die Ahnung, vielleicht wieder dort gelandet zu sein, wo ich vor fünfzig Jahren, also mit dreizehn oder vierzehn, begonnen hatte, nämlich mir eine Welt zu schreiben, wie sie mir gefiel oder wie ich sie mir erträumte, um in dieser nach Herzenslust umhergehen zu können, mit wem auch immer ich wollte.
Eingeladen zu einer Lesung aus seinem unfertigen Manuskript, fährt der Erzähler im Juni 2025 nach Mecklenburg, wo der Horizont weit ist und die Wolken tief über die Seen ziehen. Eine Landschaft, die ihm vertraut ist aus dem Sommer 1979, von dem sein Lesungstext handelt: von der ersten Liebe, den ersten Schreibversuchen, vom Eintauchen in eine Welt der Erwachsenen. Eine unerwartete Begegnung bei der Lesung scheint seine Novelle lebendig werden zu lassen und wirft damit die Frage auf, was wirklich war und was wirklich ist. War er damals zu jung für die große Liebe, und ist sie heute zu alt? Sind nur Illusionen verloren gegangen oder auch Ansprüche und Hoffnungen, die einer Gegenwart fehlen, in der die alte Angst vor einem Krieg, die überwunden war, wieder real erscheint?
Das Wasser im August wird für den Erzähler eine Schule des Sehens und des Schreibens – und ist zugleich der Versuch, die Welt und die eigene Geschichte so rückhaltlos wie möglich zu erkunden.
Das Wasser im August steht auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2026.