Jasmin Schreiber: Da, wo ich dich sehen kann
Da, wo ich dich sehen kann (Eichborn) von Jasmin Schreiber erzählt von der neunjährigen Maja, die nach einem Gewaltverbrechen alles verliert, was ihr Sicherheit gab.
Zwischen Trauer und behördlichem Chaos droht sie zu zerbrechen, bis ihre Patentante Liv ihr einen neuen Blick auf das Universum eröffnet. Ein bewegender Roman über das Echo von Gewalt und eine Familie im Ausnahmezustand. Es moderiert Marie Foulis.
»Und manchmal«, redet Liv weiter, »klammere ich mich an diesen Gedanken. An das mit den Paralleluniversen, weißt du? Dass irgendwo – also irgendwo in diesem riesigen Raum aus Möglichkeiten, wirklich egal wo! – ein Leben weitergeht, das besser ist als dieses hier. Eins, in dem Emma rechtzeitig gegangen ist. In dem er tot ist und nicht sie. In dem sie ihr Leben lebt und ihre Tochter Maja bei ihr ist. Und ich auch. Vielleicht.«
Liv, Maja, Brigitte und Peer – vier Menschen, denen Emma genommen wurde. Ihre beste Freundin, ihre Tochter und ihre Eltern müssen nach dem grausamen Femizid an Emma versuchen, ihr Leben ohne sie weiterzuführen. Dabei holt schon ein einfacher Blick in die Sterne Erinnerungen an sie hoch; schmerzliche wie tröstliche. Liv sieht immer wieder gemeinsame Kindheitserinnerungen vor sich, während Maja der Vorstellung ihrer tief in der Erde begrabenen Mutter nicht entkommt. Und ständig lauert da bei ihnen allen eine Wut, für die es kein Ventil zu geben scheint, sowie die Angst vor dem nächsten Albtraum voller tödlicher Gewalt.
Parallel dazu ist da Emma vor der Tat: Eine Frau, die Anfang zwanzig ungeplant schwanger wird und schwer verliebt Frank heiratet. Eine Frau, die neun Jahre später die blauen Flecken, die ihr Mann, erfolgreicher Anwalt und fürsorglicher Vater, auf ihrem Körper hinterlassen hat, unter langen Ärmeln versteckt.
Jasmin Schreiber erzählt lebhaft, nahbar und dialogreich. Das Sektionsgutachten der Toten, die Transkription des Notrufgesprächs mit der kleinen Maja und Kritzeleien der Tochter – all diese Dokumente verorten die Geschichte in der Realität, aus der sie auch inspiriert wurde. Was dagegen fiktional scheint, als könnte es vielleicht in einem anderen Universum geschehen, sind drei Gespräche auf schwarzen Seiten. Auf diesen sucht Emma Hilfe und die Menschen, die sie lieben, helfen ihr ... »Ein tief berührender, sehr klarer Roman über einen Femizid – aber gleichzeitig ein Buch über das Weiterleben« (NDR, Buch des Monats).
Veranstaltungspartner: Eichborn