Katharina Adler: Iglhaut

Katharina Adlers zweiter Roman Iglhaut (Rowohlt) ist eine Feier des Lebens in all seinen Facetten – ungeschönt, komisch, faszinierend. Es moderiert Tilman Strasser.

Iglhaut, Einzelgängerin und Heldin wider Willen, liebt Whiskey-Cocktails, hat Geldprobleme und einen Hund namens Kanzlerin, für Beziehungen ist sie zu tough. Und doch bringt sie unterschiedlichste Menschen zusammen, ihre Münchner Hinterhofwerkstatt wird zum Knotenpunkt zutiefst menschlicher Geschichten.

Authentisch. Ein Wort, mit dem Iglhaut abgeschlossen hatte. Etliche ihrer Kunden hatten schon nach authentischen Möbeln verlangt, und alle hatten sie damit etwas anderes gemeint. Als Elsbeth noch lebte, schien sie ständig auf der Suche nach »authentischen Charakteren«. War sie, die Iglhaut, authentisch, weil sie nur zweimal in ihrem Leben umgezogen war? War es authentisch, dass es ihr oft zu mühsam war, sich auch nur die Wimpern zu tuschen? Nicht einmal durchs Haar gefahren war sie sich vorhin im Auto, als die Mutter die Lippen nachgezogen, die Frisur gerichtet hatte. Doch, wenn sie wollte, konnte sie’s. Ja, sogar Schuhe mit Pfennigabsätzen. Authentisch, das war ein Furnierwort. Von außen betrachtet vielsagend, billig aber im Kern.

Mittelpunkt des Romans bildet ein Münchner Mietshaus und dessen Bewohner*innen – allen voran Iglhaut, die als Schreinerin in einer Werkstatt im Hinterhof arbeitet. Eine unverkrampfte, eigenwillige Figur, die ihre Freiheit genießt und sich von anderen nichts sagen lassen will. Doch genau an ihrem Arbeitsort, an dem sie sich hingebungsvoll Restaurierungen alter Möbelstücke und Heiligenfiguren widmet, trifft sich die Nachbarschaft zum regelmäßigen Zusammensein. Eine bunte Mischung an Charakteren, die ihre guten und schlechten Momente miteinander teilen und eine eigene kuriose Art von Familie bilden. Während Iglhaut zunächst ungewollt aus ihrer Komfortzone hinaus- und mitten in den Trubel ihres Umfelds hineingezogen wird, kommt indessen auch ihre einfühlsame, gesellige Seite zum Vorschein.
Mit einer besonderen Erzählstimme, die sich durch eine direkte, humorvolle Sprache auszeichnet, schafft es Katharina Adler in Iglhaut, die kleinen und großen Geschichten des Alltags zusammenzufügen, das Unausgesprochene zu Papier zu bringen und geradeheraus vom Leben zu erzählen.
»Katharina Adler zählt zu den wenigen Autoren, die im Alleralltäglichsten eine Transzendenz zu entdecken und vor allem sprachmächtig zu beschreiben in der Lage ist.« (Denis Scheck in Druckfrisch)

Diese Veranstaltung gibt es auch im Livestream. Tickets zum Livestream finden Sie hier.

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