Lange Nacht der tschechischen Literatur
Unter dem Motto »Ein Land an der Küste« präsentiert sich Tschechien als Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse 2026. In Köln erleben wir eine Literatur, die neue Ufer und weite Horizonte entdeckt.
An diesem Abend freuen wir uns auf Radka Denemarková (Schokoladenblut, Hoffmann & Campe), Miroslav Hlaučo (Pfingsten, Anthea Verlag), Alice Horáčková (Geteiltes Haus, Diogenes), Dora Kaprálová (Die Mariborhypnose, Mikrotext), Jaroslav Rudiš (Wo die Toten sprechen, Luchterhand) und Jáchym Topol (Die Hölle gibt es nicht, Suhrkamp). Es moderieren Marianne Allweiss und Jörg Plath. Nelly Nitra übersetzt. Es lesen Jona Mues und Christiane Nothofer.
Musik: Jura Wajda.
Jaroslav Rudiš: Wo die Toten sprechen, Luchterhand.
Lorenzo, Caspar und Miss Detroit reisen im alten Saab zu den Friedhöfen Mitteleuropas. Auf ihrer Suche nach den Stimmen der Toten begegnen sie den Geschichten eines Kontinents zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Jaroslav Rudiš erzählt mit lakonischem Humor von Freundschaft, Erinnerung und dem, was Europa zusammenhält.
Wer glaubt, Züge seien nur ein Verkehrsmittel, hat Jaroslav Rudiš noch nicht gelesen. Er macht aus Bahnstrecken, Bars und Begegnungen große Literatur – mit Romanen wie Der Himmel unter Berlin oder Winterbergs letzte Reise hat er sich als eine der markanten Stimmen der europäischen Gegenwartsliteratur etabliert. Für sein Engagement im deutsch-tschechischen Dialog wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
Radka Denemarková: Schokoladenblut, Hoffmann und Campe. Aus dem Tschechischen von Eva Profousová.
Božena Němcová, George Sand und John D. Rockefeller stehen im Zentrum dieses Romans über das 19. Jahrhundert. Ihre Lebenswege erzählen von Literatur und Freiheit ebenso wie von Kapital und Macht. Radka Denemarková entwirft ein großes Panorama der Kräfte, die unsere Welt bis heute prägen.
Radka Denemarková schreibt Literatur, die nicht wegschaut. Mit klarem Blick und großer sprachlicher Kraft erzählt sie von Geschichte, Gewalt und den Menschen, die mit ihren Folgen leben müssen – in preisgekrönten Romanen wie Ein Beitrag zur Geschichte der Freude und Ein herrlicher Flecken Erde, der in Tschechien eine intensive Debatte über den Umgang mit der eigenen Vergangenheit auslöste.
Alice Horáčková: Geteiltes Haus, Diogenes. Aus dem Tschechischen von Sophia Marzolff.
Zdenka und Anežka verbindet eine lebenslange Freundschaft – obwohl sie unterschiedlichen Nationalitäten angehören. Ihr Leben wird von Kriegen, politischen Umbrüchen und den Konflikten um Herkunft und Zugehörigkeit geprägt. Alice Horáčková erzählt ausgehend von der eigenen Familiengeschichte von Erinnerung und dem fragilen Zusammenleben im Sudentenland.
Alice Horáčková ist Journalistin, Biografin und Romanautorin. In ihren biografischen Arbeiten verbindet sie historische Recherche mit literarischem Erzählen; sie schrieb unter anderem über die Beat-Dichterin Vladimíra Čerepková und das Dissidentenpaar Václav Benda und Kamila Bendová.
Jáchym Topol: Die Hölle gibt es nicht, Suhrkamp. Aus dem Tschechischen von Eva Profousová.
Der Journalist Tom erlebt am Tag des russischen Angriffs auf die Ukraine eine Welt, in der sich persönliche und politische Krisen miteinander verbinden. Zwischen innerer und äußerer Konfusion sucht er nach Orientierung. Jáchym Topol erzählt mit Komik und Verzweiflung von Geschichte, Verantwortung und Gegenwart.
Jáchym Topol ist einer der eigenwilligsten Erzähler der tschechischen Gegenwartsliteratur. Vom Samizdat-Journalisten und Underground-Autor der 1980er-Jahre entwickelte er sich zu einem Romancier, der in Büchern wie Die Schwester oder Ein empfindsamer Mensch die großen politischen und persönlichen Erschütterungen seiner Zeit in wilde, oft düstere und immer überraschende Geschichten verwandelt.
Miroslav Hlaučo: Pfingsten, Anthea Verlag. Aus dem Tschechischen von Raija Hauck.
Die Bewohner des Dorfes St. Georg leben noch in einer Welt, in der Wunder möglich sind. Doch mit der Moderne verändert sich ihr Leben unwiderruflich. Miroslav Hlaučo erzählt mit feinem Humor von einer Gemeinschaft zwischen Tradition, Wandel und dem Verlust alter Gewissheiten.
Miroslav Hlaučo ist ein Autor mit ungewöhnlichem Lebenslauf: Er studierte zunächst Pharmazie, später Regie und Filmwissenschaft und arbeitet heute in der medizinischen Forschung. Mit seinem Debüt Pfingsten. Erinnerungen an ein Ende der Welt gelang ihm 2025 gleich ein doppelter Erfolg bei der Magnesia Litera: Der Roman wurde als »Buch des Jahres« und als »Debüt des Jahres« ausgezeichnet.
Dora Kaprálová: Die Mariborhypnose, Mikrotext. Aus dem Tschechischen von Nataša von Kopp.
Eine Erzählerin reist nach Maribor, um einen Reiseführer zu schreiben, und entdeckt die Stadt auf ganz eigene Weise. Aus der Perspektive einer
Stubenfliege verbindet sie historische Figuren und gegenwärtige Gestalten zu einem schillernden Erzählgewebe. Dora Kaprálová erzählt von Europa, Erinnerung und der Kraft der Illusion.
Dora Kaprálová ist Autorin, Journalistin und Dokumentarfilmerin – und eine genaue Beobachterin der kleinen Verschiebungen im Alltag. Geboren in Brno, lebt sie heute in Berlin und schreibt Prosa, Essays, Reportagen und Hörfunkstücke. Für ihre journalistischen Arbeiten erhielt sie 2016 den Deutsch-Tschechischen Journalistenpreis.
In Zusammenarbeit mit der »Langen Nacht« des Deutschlandfunk.
Die Veranstaltung findet im Rahmen des »Jahres der tschechischen Kultur in den deutschsprachigen Ländern« statt, das anlässlich des Ehrengastauftritts Tschechiens auf der Frankfurter Buchmesse 2026 organisiert wird.
Die Veranstaltung wird aufgezeichnet und an den folgenden Sendeterminen ausgestrahlt:
Deutschlandfunk Kultur: 3. Oktober, 00.05–3.00 Uhr;
Deutschlandfunk: 3./4. Oktober, 23.05–2.00 Uhr. Und im Anschluss: In der Deutschlandfunk App und überall, wo es Podcasts gibt.