Martin Kordić: Jahre mit Martha

Die Liebesgeschichte eines ungleichen Paares in einer ungleichen Gesellschaft: Željko ist fünfzehn, als er sich in Martha verliebt.

Sie ist Professorin in Heidelberg, er, das Kind kroatischer Einwanderer, sehnt sich nach Büchern, Bildung, Souveränität. Martha kann ihm all das geben – mit ihrer Liebe wächst Željkos Welt. Im Gespräch mit Thomas Laue spricht Martin Kordić über Jahre mit Martha (S. Fischer), über die Grenzen zwischen Begehren und Ausbeutung.

Meine Geschichte will ich erzählen, weil ich glaube, dass wir uns mehr Geschichten erzählen sollten über uns in diesem Land. Möglicherweise hat mein Leben einige Überschneidungen mit den Leben anderer, die wie ich Kinder sind von Eltern, die irgendwann einmal hierherkamen und sich an nichts festhielten als an ihren Körpern und an ihren Träumen. Mir selbst will ich meine Geschichte erzählen, weil ich die Irrwege meines jungen Erwachsenenlebens in eine Dramaturgie sortieren will, die auf ein versöhnliches Ende zusteuern soll.

Željko Draženko Kovačević nennt sich Jimmy, das macht es leichter, denn die vielen Sonderzeichen über C und Z sind immer direkt mit Vorurteilen verbunden. Jimmy ist Kroate aus Bosnien-Herzegowina. Mit seinen Eltern und den zwei Geschwistern ist er dem Krieg entronnen, nun lebt die Familie in einer Zweizimmerwohnung in Ludwigshafen. Der Vater ist meist auf Montage, die Mutter verdient ihr Geld als Putzfrau. Jimmy will dazugehören, er passt sich an, lernt akribisch die neue Sprache, durchwühlt Altpapiercontainer, um Lesestoff zu finden, den sich seine Familie nicht leisten kann: Ich wollte einer werden, den man nicht herumschieben kann. Ich wollte einer werden mit Verstand. Ich war bereit, alles dafür zu tun. Als Sohn der Putzfrau nimmt er einen Ferienjob als Gartenhelfer im Haus der Grubers an – und verliebt sich in Martha Gruber, Professorin in Heidelberg. Eine ungleiche Liebesgeschichte beginnt, denn obwohl Martha Jimmy unterstützt, protegiert, schützt, bleibt Jimmy in Abhängigkeit zu der älteren Frau: sie zahlt, sie kontrolliert.
Martin Kordić erzählt vom Ankommen und von der Lebenswirklichkeit von Migrantenkindern in Deutschland und entlarvt die Überheblichkeiten der deutschen Klassengesellschaft. Jimmy, den man erst vom Gymnasium, später von der Universität abzuhalten versucht, ist bereit, für Erfolg und Anerkennung alles zu opfern, auch seine Herkunft. Aber wie viel Anpassung braucht es, um wirklich anzukommen – ohne sich selbst zu verraten? Jahre mit Martha ist »… vordergründig eine sommerliche Liebesgeschichte. Dahinter verbirgt sich eine brutale Abrechnung mit Deutschland« (SZ).

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Veranstaltungspartner: Buchhandlung Klaus Bittner

Die Veranstaltung wird unterstützt von:

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