Miriam Carbe: Unerwünschte Töchter
Vier Frauen, vier Generationen und ein deutsches Jahrhundert: Miriam Carbe spannt in ihrem Debütroman Unerwünschte Töchter (Hanser) den Bogen von Dresden vor den Weltkriegen bis in die Bundesrepublik der Sechzigerjahre.
Als die hochintelligente Monika ein schwarzes Kind bekommen will, zerbricht die Familie beinahe an Vorurteilen und Erwartungen. Ein intensiver Roman über das, was Herkunft mit einem Menschen macht – und darüber, wie eng Liebe und Verletzung oft beieinanderliegen. Es moderiert Tutu Westerhoff.
Meine Großmutter hat meine Geburt zu verhindern versucht. Ich hatte mit siebzehn keine Lust, zu ihrem siebzigsten Geburtstag zu fahren, und habe sie damit sehr enttäuscht. Wir sind quitt.
Margarethe, Marianne, Monika und Miriam: vier Frauen, vier Generationen und ein deutsches Jahrhundert. Geprägt von Kriegen, gesellschaftlichen Erwartungen und familiären Konflikten tragen sie Verletzungen und ungelöste Spannungen von Generation zu Generation weiter.
Margarethe wird Ende des 19. Jahrhunderts geboren und wächst mit dem Gefühl auf, den Vorstellungen ihrer Mutter nicht zu entsprechen. Mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs kommt ihre Tochter Marianne zur Welt; der Mann fällt im Krieg. Und auch für Marianne sind die Zeiten schwer. Als der Offizier der Wehrmacht, für den sie arbeitet, im April 1945 getötet wird, ist Marianne von ihm schwanger – mit einem unehelichen Kind: Monika.
Nach der Übersiedlung in den Westen kommt es zum größten Konflikt der Familie, als die hochintelligente und verletzliche Monika in den 1960er-Jahren gegen alle Widerstände ein uneheliches schwarzes Kind zur Welt bringen möchte. Dieses Kind ist die Autorin selbst.
Mit den Tagebüchern und Aufzeichnungen ihrer Mutter, Großmutter und Urgroßmutter, deren älteste Einträge aus dem Jahr 1908 stammen, dokumentiert Miriam Carbe ihre Familiengeschichte und sucht zugleich nach ihrem eigenen Platz in einer Familie, in der auch Rassismus Teil des Erbes ist.
Ein Roman über familiäre Bindungen, wiederkehrende Muster und die Suche nach Selbstbestimmung. »Mit Unerwünschte Töchter beweist Miriam Carbe, dass große Erzählkunst manchmal gerade dann entsteht, wenn man den leisen Stimmen lauscht« (DLF).
Unerwünschte Töchter steht auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2026.
Kooperationspartner: Theodor Wonja Michael Bibliothek