Navid Kermani: Wenn sich unsere Herzen gleich öffnen
In Politik, Gesellschaft und unseren unmittelbaren Lebenswelten tun sich Gräben auf, die wir noch vor Kurzem nicht für möglich gehalten hätten. In Wenn sich unsere Herzen gleich öffnen. Über Politik und Liebe (C.H.Beck) verbindet Navid Kermani eigene Erlebnisse mit historischen Zeitläufen und beschreibt anhand von persönlichen Schlüsselerfahrungen, wie sich solche gesellschaftlichen Umbrüche im Konkreten auswirken, wo Feindschaft entsteht und warum wir trotz allem unsere Herzen für andere öffnen können.
Mit Navid Kermani spricht Ulrich Noller.
Die Formulierung: eins zu sein mit allem, was lebt, stammt übrigens ebenfalls von Hölderlin, es war sein innigster Wunsch. Und ich finde, er, ausgerechnet er, der Träumer, hat damit alles gesagt, was politisch notwendig wäre. Denn wüßten wir uns eins mit allem, was lebt, würde alles, was wir tun, auch für die Umwelt, die Menschheit und künftige Generationen geschehen.
Die Einheit des Westens, die uns so lange Sicherheit gegeben hat, zerbricht. Kriege und Völkermorde zwingen zu Positionierungen, die wiederum zu neuen Konflikten führen. Die Demokratie mit ihren Kompromissen und Macht-Balancen wird vielen zu kompliziert, doch einfache Lösungen gehen auf Kosten der Schwachen. In sechs großen, literarisch mitreißenden Reden sowie einem Brief an seine Tochter verbindet Navid Kermani eigene Erlebnisse mit historischen Zeitläufen und dem Umbruch, der derzeit in der Welt geschieht. Kein anderer deutscher Schriftsteller vermag es wie er, das Persönliche ins Politische zu wenden und umgekehrt politische Umwälzungen anhand persönlicher Beobachtungen anschaulich zu machen. Und so klingt auch in seinem neuen Buch der einzigartige, immer existentielle, niemals pathetische Ton an, mit dem uns Navid Kermani ein ums andere Mal in den Bann zieht.
Die Veranstaltung mit Navid Kermani findet nicht wie im Programmflyer angekündigt im Literaturhaus statt, sondern im MAKK, Museum für Angewandte Kunst Köln, An der Rechtschule 7!