Tag der Übersetzung 2022

Eine Doppelveranstaltung der Weltlesebühne zum Hieronymustag, dem Tag der Übersetzung. A. Theodor Fasen führt im ersten Teil des Abends in einem Lichtbildvortrag zu den Anfängen der Übersetzungskunst. Das anschließende Podiumsgespräch mit den Literaturübersetzer*innen Alexandra Berlina und A. Theodor Fasen sowie der Musikerin Barbara Streil beleuchtet anhand der Neuübersetzung von Michail Bulgakows Der Meister und Margarita die Bedeutung der Künstlerpersönlichkeit bei der Interpretation eines Originals. Es moderiert Peter Klöss.


18:00 Uhr bis 19:00 Uhr
»Siebzig auf einen Streich – Ausflug zu den Anfängen der Übersetzungskunst«
Eine Bilderreise (nicht nur) für Übersetzerinnen und Übersetzer
Vortrag von A. Theodor Fasen

Die Legende von den siebzig Übersetzern, die im Alexandrien des frühen 3. Jahrhunderts vor unserer Zeitrechnung die fünf Bücher Mose ins Altgriechische übersetzt haben sollen, ist so etwas wie der Gründungsmythos der Übersetzerzunft. Die in mehreren Versionen überlieferte, detailreich ausgeschmückte Geschichte der Entstehung dieser Septuaginta (»Übersetzung der Siebzig«), die im Mittelpunkt des Vortrags steht, berührt eine ganze Reihe von erstaunlich aktuellen Themen: von der Einrichtung des ersten Übersetzerhauses, der Rolle von Bibliotheken und der namentlichen Nennung von Übersetzenden bis hin zu den Methoden der Texterschließung oder der – erst jüngst wieder kontrovers diskutierten – Frage, wer überhaupt das Recht hat, einen bestimmten Text zu übersetzen. Nicht zuletzt liefern die verschiedenen Versionen der Septuaginta-Legende aufschlussreiche Kriterien für die Qualität einer Textübertragung – insbesondere (aber nicht nur), wenn es sich um einen so speziellen Text wie die Bibel handelt.
Damit führt der Vortrag in die Welt des Schutzpatrons der Übersetzer, des Kirchenvaters Hieronymus, auf den die Vulgata, die lateinische Bibel, zurückgeht und an den von Übersetzern in aller Welt alljährlich am 30. September erinnert wird.
Wieder einmal zeigt sich, dass die Alte Welt in ihrer klassisch-antiken ebenso wie in ihrer jüdisch-christlichen Ausprägung der literarischen Moderne ein nicht zu unterschätzendes Gepäck an Methoden, Motiven und Figuren mitgegeben hat; der von seinen Jüngern tragisch missverstandene Prediger Jeschua in Michael Bulgakows Jahrhundertroman Der Meister und Margarita ist eine davon.

19:30 Uhr bis 21:30 Uhr
Neuübersetzung und Interpretation.
Ein gattungsübergreifendes Podiumsgespräch am Beispiel von Michail Bulgakows Der Meister und Margarita

mit den Literaturübersetzer*innen Alexandra Berlina und A. Theodor Fasen sowie der Violinistin Barbara Streil.
Moderation: Peter Klöss

Das Hauptwerk des in Kiew geborenen und in Moskau (eines natürlichen Todes) gestorbenen Satirikers Michail A. Bulgakow ist auf ganz erstaunliche Weise modern und präsent. 2020 veröffentlichte Alexandra Berlina ihre Übersetzung des Werks ins Deutsche, es ist die bisher dritte. Was war ihre persönliche Motivation, es mit einer allseits anerkannten Konkurrenz (der 1968 erschienenen Erstübersetzung von Thomas Reschke oder auch der 2012 publizierten Version von Alexander Nitzberg) aufzunehmen? Nimmt man die Leserrezensionen auf amazon zum Maßstab, ist ihre Übersetzung alles zwischen »fürchterlich fehlerhaft« und »Die beste Meister und Margarita-Übersetzung ever!« Allerbeste Voraussetzungen, um der Frage nachzugehen: Wozu Neuübersetzungen, und was macht die neue Interpretation des Originals aus? Um sich dem Thema von einer anderen Seite aus zu nähern, wird die Violinistin Barbara Streil aus der Sicht einer Musikerin – der »Interpretin« schlechthin – ihre Techniken der Interpretation sowie Vertonungen des Bulgakow-Textes beitragen. A. Theodor Fasen bringt eine übersetzungshistorische und -theoretische Betrachtungsweise ein.

Die Weltlesebühne e.V. ist ein Verein von Literaturübersetzern mit dem Ziel, Literaturübersetzung auf die Bühne zu heben. In den vergangenen Jahren hat sie – unter anderem in der Lengfeld’schen Buchhandlung und regelmäßig und dankenswerterweise vom Kulturamt der Stadt Köln finanziell unterstützt – zahlreiche Veranstaltungen konzipiert (siehe www.weltlesebuehne.de).

Eine Veranstaltung der Weltlesebühne e.V. mit freundlicher Unterstützung der Stadt Köln

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