Helene Hegemann: Schlachtensee

Literaturherbst-Auftakt des Literaturhauses Köln mit Helene Hegemann im Gespräch mit Bettina Böttinger.

Literatur, Film, Oper, Theater – Helene Hegemanns Ausdrucksformen sind vielseitig und mehrfach ausgezeichnet. 2010 debütierte sie mit ihrem Roman Axolotl Roadkill als Autorin, in ihrem neuen Buch Schlachtensee. Stories (Kiepenheuer & Witsch) sprengt sie in fünfzehn Episoden sämtliche Kategorien, mit denen wir die Gegenwart zu verstehen versuchen. Aus Erzählungen von versehrten, kraftvollen Figuren entwirft Helene Hegemann mit großer sprachlicher Wucht ein kunstvoll konstruiertes Psychogramm unserer Gesellschaft, das verstörend und beglückend zugleich ist.

Der Pfau scheint nicht zu verstehen, dass der hintere Teil seines Körpers nicht mehr vom vorderen ausbalanciert werden muss, der checkt nicht, dass ihm da was fehlt, deshalb stolpert der immer so nach vorne und donnert bei jedem zweiten Schritt mit der Nase gegen den Boden. Der ganze Körper denkt, da wäre hinten noch was dran. Dabei ist da nichts mehr. Nur sein nackter alter Arsch.

Schlachtensee ist das fünfte Buch von Helene Hegemann und offenbart als Sammlung von Erzählungen schlaglichtartig die ungewöhnlichen Erlebnisse diverser Charaktere. Während in einem Traum Schokolade aus Muskelfleisch verkauft wird, befindet sich ein Kunstexperte, nachdem ein Monet-Gemälde auf ihn gestürzt ist, auf der Suche nach Sinn. In einer Episode endet eine toxische Beziehung mit einem Bad in der Wolga, in der nächsten verliebt sich ein Junge in einen anderen inmitten einer Herde von Wildschweinen, in einer weiteren erfahren wir, was der brutale Mord an einem Pfau mit der Doppelmoral der amerikanischen Kulturelite zu tun hat. Ihre bunt gemischten Erzählungen klingen anders als bisher: »nach einer Autorin, die sich vom Getöse ihrer frühen Karriere endgültig emanzipiert. Wie gehabt leben die Erzählungen von kleinen und großen Schockern […] und von ihrer Eigenheit, mitten im Satz eine Ausfahrt zu nehmen, die niemand erwartet hätte« (TAZ).

Veranstaltungspartner: Kiepenheuer & Witsch, Stadtgarten

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