Rebecca F. Kuang: Yellowface

In Rebecca F. Kuangs Yellowface (Eichborn) verschwimmen die Grenzen zwischen Kunst und Leben. Was ist Original, was ist geklaut?

Ein Literaturthriller über die Einsamkeit in einer hart umkämpften Branche: June stiehlt das erfolgversprechende Manuskript ihrer toten Freundin Athena und landet damit einen Bestseller. Doch wie lang kann sie an ihrer Lüge festhalten? Mit Moderatorin Antje Deistler spricht die Autorin über Nuancen von Identität und Diversität und wirft einen Blick in die Abgründe der sozialen Medien. Aus der Übersetzung von Jasmin Humburg liest Milena Karas.

Bevor Jenseits der Bäume erschien, habe ich so viele Blog-Interviews und Podcasts gemacht, ich habe geglaubt, je mehr ich die Werbetrommel rühre, desto mehr wird mein Verlag mich für meine Mühen belohnen. Doch jetzt verstehe ich, dass die Mühen der Autorin gar nichts mit dem Erfolg eines Buches zu tun haben. Bestseller werden auserkoren. Es ist egal, was du tust.

June Hayward träumt davon, eine erfolgreiche Schriftstellerin zu werden. Leider ist ihr Debütroman längst in Vergessenheit geraten, die geplante Taschenbuch­ausgabe wurde gestoppt. Stattdessen muss June mit ihrer asiatischstämmigen Kommilitonin Athena Liu auf deren literarischen Erfolg anstoßen: Sie gilt als der neue Stern am Literaturhimmel und hat gerade einen Vertrag mit Netflix unterzeichnet.
Eine absurde Begebenheit, deren schiere Unglaubwürdigkeit Rebecca F. Kuangs bewusstes Spiel mit der Flüchtigkeit der Wahrheit aufzeigt, ermöglicht June den Seitenwechsel: Athena erstickt beim Verzehr eines Pandan-Pfannkuchens. In der Hektik der Ereignisse reißt June Athenas unvollendetes Manuskript an sich – ein literarischer Raub par excellence. Denn June veröffentlicht den Text nun selbst. Es ist ein Roman über chinesische Arbeiter, die im Ersten Weltkrieg von der britischen Armee angeworben werden.
Und tatsächlich werden ihre Träume wahr: Verlagsvertrag, ein sechsstelliger Vorschuss, Lobeshymnen im Feuilleton, der Sprung auf die Bestsellerlisten. Ihr kalkuliert unscharf gewähltes Pseudonym Juniper Song täuscht zunächst alle, die einer nicht-asiatischen Autorin kulturelle Aneignung unterstellen wollen. Und doch sind die Nörgeleien einer asiatisch-amerikanischen Lektoratsassistentin nicht zu überhören. Zudem ist Athenas Mutter im Besitz der Forschungshefte ihrer Tochter. Und nun rümpft auch noch Twitter das kollektive Näschen – ein immer mehr aus den Fugen geratener Plagiatsskandal nimmt seinen Lauf. Seite für Seite bedarf es neuer Täuschung und Selbsttäuschung, neuer Ausreden und Kehrtwendungen. Yellowface ist Hochstaplergeschichte, Satire und Krimi zugleich, der Roman greift aktuelle Debatten um Repräsentation im Literaturbetrieb, die Schonungslosigkeit der sozialen Medien, Kunstfreiheit und Identitätspolitik auf.
»Rebecca F. Kuang ist ein literarischer Stern Amerikas: Ihr neuer Roman Yellowface zeigt, dass sie längst hochpolitisch geworden ist« (FAZ).

Veranstaltungspartner: Eichborn Verlag, Kino Gesellschaft Köln

© Julian Baumann
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